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GHANA Welcome in Ghana!! So stand es geschrieben in großen Lettern am Grenzeingang, den wir am 18.12.08 passierten. Mit einem Handschlag wurde Petra von den sehr freundlichen Grenzern begrüßt. „In Ghana sind Sie sehr herzlich willkommen und können mit Ihrem Auto an jedem Hotel übernachten“, bekamen wir als Tipp mit auf den Weg. Nach 45 Minuten war der offizielle Teil abgewickelt. Überfallartig nahm uns eine Horde Männer in Beschlag , die uns Geld tauschen wollten. Jeder, aber auch jeder, wollte unbedingt mit uns das Geschäft machen. „Okay!! 100 Dollar können wir ja in Ghana Cedis eintauschen!“ Der Kurs wurde mit Petra verhandelt und akzeptiert. Petra guckte sich einen jungen Mann aus, mit dem sie das Geschäft abwickelte und anschließend die vielen, vielen Scheine zählte. „Wollen wir noch mal 100 Dollar tauschen? Dann müssen wir nicht gleich in den nächsten Tagen zur Bank!“ „Na gut!“ Als die Geldtauscher dieses bemerkten, hielten sie uns wieder Scheine schwenkend ihre Arme entgegen, aber als Petra das Geschäft einem Anderen als zuvor zu kommen lassen wollte, artete es fast in eine Schlägerei aus. Ruhe kam erst in die Menge als Petra ihre Dollarscheine wieder zurückzog und mit dem Geschäftspartner des ersten Teils weiter verhandelte. Mit genügend Cedis ausgestattet fuhren wir über eine erstaunlich gute, von riesigen Werbeplakaten gesäumte Straße, nach Bolgatanga. Es war früher Abend und somit Zeit, nach einem geeigneten Übernachtungsplatz Aussschau zu halten. Es war aber nicht so leicht in dieser großen Stadt einen geeigneten Platz zu finden, einen Campingplatz gab es nicht. Was sagte uns der Grenzer noch?? “An jedem Hotel könnt Ihr mit eurem Fahrzeug stehen.” Also, zum nächsten Hotel. „Natürlich, können Sie hier übernachten. Aber Sie müssen ein Zimmer mieten und Ihr Auto im Hof abstellen.“ So hatten wir das aber nicht verstanden. Frustriert fuhren wir weiter. Die Zeit drängte ein wenig, denn eine Dämmerung wie in Deutschland gibt es in Ghana nicht. Nach dem Sonnenuntergang wird es ruckzuck dunkel und vor der Dunkelheit wollten wir wissen, wo wir nächtigen. Nach ein paar Kilometern, außerhalb der Stadt, fanden wir auf der linken Seite eine neue Tankstelle mit einem großen, umzäunten Grundstück. Hinter dem Tankstellengebäude war reichlich Platz, die Mädels der Tankstelle winkten uns schon zu, witterten sie doch ein Geschäft. Der Besitzer freute sich uns helfen zu können. Zum Abendbrot gönnten wir uns eine Dose Bier, die wir aus dem Tankstellenshop, der relativ gut sortiert war, kauften. Wir saßen draußen vor unserem Wohnmobil und genossen mittlerweile unseren Rotwein, da erkannten wir im Schein unserer Petroleumlampe einen jungen Polizeibeamten, der mit einer Maschinenpistole bewaffnet war und auf uns zu kam. „Mein Name is Henry! How are you? I am the policeman for this area!“ So stellte er sich vor. Dufter Typ!! Er erzählte uns nun, daß er in der Zeit von 18.00 Uhr bis morgens 6.00 Uhr Nachtdienst hatte und es für ihn selbstverständlich ist, daß er auf uns ein besonderes Augenmerk hat. Sehr beruhigend für uns. Nachdem er unsere Visitenkarte mit unserer Telefonnummer erhielt, setzte er seinen Kontrollgang fort. In Ghana ist es übrigens bei den jungen Leuten ein beliebter „Sport“ Adressen von Europäern zu sammeln. So auch Henry. Der Mole-Park, ein Nationalpark in Ghana, sollte unser nächstes Ziel sein. Wollten wir doch endlich einmal Tiere sehen!! Richtung Süden über Tamale, später rechts ab auf eine elendige Wellblechpiste zum Mole-Park. Die Piste ist hart, staubig und nur langsam zu befahren. Endlich war der Mole-Park erreicht. Wir waren froh, denn hier wollten wir auch Inga und Micka wieder treffen. „Haben sie einen Hund?“ „Ja“ antwortete Petra. „Haben Sie einen Hund?“, fragte der Parkranger noch einmal. Petra schaltete.... „Nein, natürlich haben wir keinen Hund!“ Petra trug unsere Daten in die große Kladde des Parks ein, bezahlte den Eintritt und kaufte noch einen Broschüre über den Park, den der holländische Staat finanziell unterstützt. „Okay! Alles klar, wir können fahren!“ Doch plötzlich trat ein zweiter Parkranger in Erscheinung und fragte noch einmal: „Haben sie einen Hund?“ „Ja, wir haben einen Hund“ war Jürgen seine Antwort. Das war`s mit dem Mole – Park. Kein Eintritt!!! Tiere nicht erlaubt! Jedenfalls keine, die mitgebracht werden!!! Sch...!!! Petra stieg aus, ging entschlossen auf die Ranger zu und wollte mit ihnen verhandeln. Sie stellte Blacky als friendly dog vor, der keinen Laut von sich gibt; keine Erlaubnis; sie schlug den Rangern vor, mit dem Auto direkt vorm Park stehen zu bleiben und dort zu übernachten; keine Erlaubnis; sie schlug den Rangern vor, sie könnten den friendly dog während unserer Safari im Park als Wachhund in ihrem Büro behalten; keine Erlaubnis; sie bot Backschisch an; keine Erlaunis; sie weinte!! (vor Wut!!!) keine Erlaubnis!!!!! Jürgen hatte die Faxen dicke und wollte nur weg! Nichts mehr mit Park! Wir traten den Rückzug an und hatten die Möglichkeit nach 20 Kilometern direkt neben der Piste zu parken., um auch dort zu übernachten. Es war schwül, es war heiß, deswegen hatten wir alle Fenster und unsere Dachluken über Nacht offen. Keine gute Idee! Denn die Fahrzeuge, die nun auch die ganze Nacht auf der Piste fuhren, zogen eine lange Staubfahne hinter sich her. Es wurde so viel rotbrauner Staub aufgewirbelt, der minutenlang in der Luft hing und sich langsam links und rechts der Piste niederließ. Leise rieselt der Staub!! Wir sahen aus am nächsten Morgen!! Und der Dreck im Auto!! Nicht zu beschreiben!! Aber alles Jammern nutzte nichts. Fenster und Klappen dicht und weiter gings vorm Frühstück auf der hoprigen, staubigen Piste. Hier wollten wir keine Sandwiches einnehmen. Alles hat ja mal eine Ende, so auch diese Pistenfahrt. Endlich, der Magen knurrte schon, fanden wir ein schönes, ruhiges Plätzchen, abseits der Straße. Endlich Frühstück! Und schon knatterte ein Moped heran! Unsere Gedanken? Natürlich an „Hello my friend!“. Aber weit gefehlt! Es war der heimische Pastor, der sich bei uns erkundigte, ob alles in Ordnung wäre und kündigte bei Schwierigkeiten seine Hilfe an. Nein, so was gibt`s auch noch!! Inga und Micka, die natürlich im Mole – Park auf Safari waren, berichteten enttäuscht, daß die Ausbeute im Park sehr mager war. Wenig Tiere. Ein Trost für uns, so hatten wir doch nicht allzuviel verpasst. Ganz nebenbei erzählten sie uns, daß sie ein deutsches Paar mit einem grünen Rundhauber aus Hildesheim trafen, die auch Afrika umrunden wollen. Am Rande des Urwaldes, abseits eines kleinen Ortes fanden wir einen Übernachtungsplatz. Trotz der Dunkelheit war es nicht möglich in aller Ruhe unser Abendbrot einzunehmen. Dicht gedrängt standen Kinder und Erwachsene (!) um uns herum und beobachteten uns eindringlich. Jede Handbewegung von uns wurde registriert. Schrecklich!! Von Privatsphäre keine Spur! Ab Kumasi setzten wir unsere Fahrt alleine fort, denn unsere Reisepartner wollten wegen Visaangelegenheiten nach Accra, der Hauptstadt von Ghana. Unser Ziel war die Green Turtle Lodge (www. green-turtle- lodge.com), zwischen Dixcove und Akwidaa, direkt am Atlantik, im Westen von Ghana. Hier wollten wir das Weihnachtsfest verbringen. Um unser Ziel zu erreichen, mußten wir auf einer schmalen, sehr schlechten Straße, die mit vielen, tiefen Schlaglöchern übersäht war, durch den Urwald fahren. Stickige, staubige Luft begleitete uns. Die Route führte uns vorbei an einige Dörfer, kleinere Städte; die Menschen wohnen hier in viereckigen Häusern, die mit Wellblech gedeckt sind. Alle Häuser sind mit elektrischem Strom versorgt und die meisten Häuser sind mit Fernsehantennen, die an 20m langen Stangen befestigt sind, versehen. In manchen der Orte sahen wir Schilder: “Unser Ort soll sauber bleiben!” Wir staunten nicht schlecht, sehen wir doch diese Idee als einen Schritt in die richtige Richtung. Und immer wieder kamen wir an Goldwäschercamps vorbei. Goldwäscher, die auch am heiligen Sonntag Ihrem Wahn, Gold zu finden, nachkamen. Am späten Nachmittag erreichten wir das dreckige Nest Dixcove. Von hier noch ca. 20 km östliche Richtung über eine Piste zu unserm Ziel: Green Turtle Lodge. Direkt an dem großen und breiten Sandstrand fanden wir einen geeigneten Stellplatz für unseren Deutz unter Palmen. Auch alte „Bekannte“, ebenfalls Globetrotter, denen wir immer mal wieder unterwegs an verschiedenen Stationen begegneten, trafen sich hier zum Weihnachtsfest ein. Somit waren wir ein internationales, gemischtes Häufchen, welches aus Südafrikanern, Engländern, Franzosen, Schweizern, Österreichern, Lichtensteinern, Holländern und auch Deutschen bestand. Die Altersstruktur war quer Beet, von jung bis alt, auch älter!!! als wir. So, z.B. Nelly, 72 Jahre, Holländerin, die allein per Bus und Drodro (afrikanischer Minibus) Afrika umrunden will. Alle Achtung! Trotz weihnachtlich geschmückter Palmen und ein Kunsttannenbäumchen auf dem Tisch unserer Nachbarn, deutschen Weihnachtsliedern, die Petra zwei kleinen, südafrikanischen Jungen vorsang („In der Zuckerbäckerei....”), wollte keine Weihnachtsstimmung aufkommen. Bei ca. 40 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit zwischen 80 und 95 Prozent war es einfach zu heiß und zu schwül. Der Atlantik lud mit seinen 25 Grad immer wieder zum Schwimmen ein, gab aber auch keine Abkühlung. Wir schwitzten, wir schwitzten immer! Die Frisuren(?) waren keine Frisuren mehr, hingen doch die Haare verschwitzt am Kopf. Sogar direkt nach dem Duschen schwitzten wir. Die Klamotten und auch die Bettwäsche waren klamm. Das Wasser lief im Deutz an den Wänden runter. Gewaschene Wäsche trocknete nicht! Der Kreislauf kam ins stolpern! Sandflöhe piesackten unsere Füße und unteren Fußgelenke, Mücken taten ihr Übriges! Keine Erholung! Die mächtige Brandung mahnte beim Schwimmen zur Vorsicht. Zwei Tage nach unserer Ankunft trafen auch Inga und Micka, ziemlich frustriert, wieder ein, ohne etwas erreicht zu haben, denn bis zum Neuen Jahr waren alle Botschaften geschlossen. Eines morgens wurden wir von unserem Blacky nicht wie gewohnt begrüßt. Was war los? Begrüßte er uns doch morgens immer mit seinem freudigen Bellen und einem wackelnden Schwanz, so lag er doch jetzt ohne erkennbare Regung unter dem Auto. Auch auf Ansprache reagierte er nicht. Er fraß nichts, er trank nichts. Wenn Jürgen ihn streichelte, bewegte er ganz kurz seinen Schwanz. Das war`s, mehr nicht. Wir machten uns ernsthafte Sorgen und glaubten allen Ernstes, daß wir Blacky hier in Ghana beerdigen müssen. Uns war kotzelend zu Mute und so langsam machte sich Jürgen Vorwürfe. Ist die Reise überhaupt was für den Hund? Sind die Strapazen nicht zu groß? Die häufigen Auseinandersetzungen mit den wilden Hunden! Die langen Fahrten, die Hitze, die Schwüle, das Salzwasser, die Sandflöhe, die Moskitos, jeden Tag woanders, immer neue Situationen und seit Monaten ohne sein gewohntes Umfeld......?! Wir spekulierten und tippten auf eine Vergiftung. Trotzdem zwangen wir ihn zu einer kurzen Gassirunde. Weinend kam Petra zurück und berichtete, daß sich in Blackys Stuhl viel schleimiges Blut befand. Jetzt wurde aber Jürgen flott!! Sein geliebter Hund!! Hier in Ghana sterben? Kommt nicht in Frage!! Und kein Tierarzt in der Nähe. Blacky bekam ein Antibiotikum aus unserer Reiseapotheke, viel Zuspruch, seine Nase wurde mit Wasser benetzt und tatsächlich trank er auch ein paar Schluck. Nach Stunden der erste, leise Hoffnungsschimmer. Wir informierten Rabea, schilderten in aller Deutlichkeit die Symptome und sie wiederum setzte sich mit unserer Tierärztin in Verbindung. Wir bekamen einen Behandlungsplan, den wir natürlich minutiös umsetzten. Nach zwei, drei Tagen ohne Nahrung kochte Petra ihm ein Hühnchen mit Reis. Jürgen fütterte Blacky mit der Hand, einige Reiskörner nahm er ab, später jedoch einige mehr. Nach ca. einer Woche war Blacky zwar noch nicht gesund, aber über den Berg. Kleine Gassirunden hielt er schon wieder durch. Von Tag zu Tag verbesserte sich sein Zustand. Das Weihnachtsfest ging spurlos an uns vorbei. Zwar haben nahmen wir in der Lodge am “Weihnachtsbüfett” teilgenommen (nichts war aber wirklich weihnachtlich), aber trotzdem kam keine dementsprechende Stimmung auf. Wir telefonierten mit unseren Kinder und wünschten uns gegenseitig ein “Frohes Fest”, das war`s. Die viele freie Zeit widmeten wir gedanklich unserer Weiterreise. Als Nächstes stand die Visabeschaffung für Togo und Nigeria an. Für Togo kein Problem, aber die Nigerianer machen die Einreise doch schon etwas komplizierter, muß man doch 9 (!) verschiedene Bedingungen erfüllen, unter anderem ein Bittschreiben aufsetzen, das Land bereisen zu dürfen. Und so ganz nebenbei erhielten wir immer öfter negative Nachrichten aus dem Kongo: die kriegerische Auseinandersetzung im Osten des Landes sorgen für Unruhe und Flüchtlingsströme im gesamten Land. Diesbezüglich nahmen Gespräche und Beratungen unter den Globetrottern zu. Micka hatte noch das Problem mit seinem VW Bus. Nicht nur, dass die Feder gebrochen war, sondern mittlerweile bereitete ihm auch das Getriebe ernsthafte Sorgen. Paulchen? Wer ist denn eigendlich Paulchen? Paulchen on tour! Kennen wir den!! Grüner Mercedes Rundhauber, Hildesheimer Kennzeichen!? Inga und Micka hatten doch bereits von diesem Fahrzeug erzählt, hatten es vorm Mole-Park gesehen. Paulchen on tour?!? Natürlich, .... endlich..... Andrea und Achim aus Hildesheim (Bockenem), ebenfalls Mitglieder im Sahara-Club. Daher kennen wir uns!! Und Paulchen? So heißt ihr Auto (www.paulchen-on-tour.de) Na denn, es gab reichlich Gesprächsstoff, verfolgen sie doch das gleiche Ziel wie wir, die Umrundung Afrikas. Die Green Turtle Lodge wurde vor vier Jahren von einem jungen, englischen Pärchen am Rande des Urwaldes, direkt am Atlantik eröffnet. Sie liegt zwischen Dixcove und dem kleinen Ort Akwidaa. In dem 2 km entfernten Dorf Akwidaa leben die meisten Mitarbeiter der Lodge. Auch dieser Ort verfügt über einen großen, breiten, einsamen Sandstrand, der aber nicht zu benutzen ist, weil die Einheimischen sowohl ihre kleinen, wie auch großen Notdurften hier verrichten. Bei einem Strandspaziergang näherten wir uns dem Ort; jedoch ließ uns der fürchterliche Gestank und der viele, viele Müll umkehren. Keine gute Adresse. Der Inhaber der Lodge erkannte das Problem und spendierte dem Ort zwei afrikanische, gemauerte Toiletten. Bedauerlicher Weise werden diese nicht benutzt, sondern die Dorfbewohner verrichten ihre Geschäfte weiterhin am Strand. Für uns schwer zu verstehen, denn zwischen all dieser Sch.... und dem Müll spielen sowohl die großen als auch die kleinen Kinder. Immer wiederkehrende Krankeiten sind natürlich die Folge. Wir hoffen nur, das das Küchenpersonal der Lodge, welches ausschließlich aus dem Dorf kommt, sich vor der Arbeit gründlich die Hände wäscht. Im Nachhinein lässt uns der Gedanke daran erschaudern(!!!), denn auch wir haben dort über eine Woche fast jeden Abend gegessen. Brrr..... Hier in der Green Turtle Lodge trennten wir uns endgültig von unseren Reisepartnern, die unklare Situation im Kongo und der angeschlagene Bulli veranlassten Micka sein Fahrzeug per Container nach Südafrika zu verschiffen. Er erhofft sich hier eine bessere Hilfe für sein Auto. Auch wir spielten mit dem Gedanken unser Fahrzeug nach Namibia verschiffen zu lassen. Grundsätzlich ist das von Tema bei Accra möglich. Das Problem ist nur, das auf Grund der Größe unseres Fahrzeugs ein Container nicht in Frage kommt; das Risiko das Fahrzeug unbeaufsichtigt auf einem Schiff zu lassen, ist entschieden zu groß. Insider haben uns dringend von diesem Vorhaben abgeraten. So beschlossen wir nach einer guten Woche am Atlantik nach Abadi Beach vor dem Akosombo Damm zu Adi, einem Deutschen zu fahren. Adi, der ältere Herr, dem der ein oder andere von Euch vielleicht noch aus der Fernsehreihe “Der siebte Sinn” bekannt ist, unterhält dort ebenfalls eine empfehlenswerte Lodge. Auf der Küstenstraße in Cape Coast benötigten wir über 2 Stunden, um an ein bißchen Geld heranzukommen. Erste Bank geschlossen, Tauschbörse zu, bei der dritten Bank konnte Petra nur mehrere Beträge in Höhe von maximal 40€ abheben. Stunden später und mit einer langen Warteschlange im Nacken, war es endlich geschafft. Totales Verkehrschaos, Stau ohne Ende taten ihr Übriges. Zum Weiterfahren hatten wir jetzt am späten Nachmittag keine richtige Lust mehr und übernachteten deshalb auf dem Parkplatz des Biriwa Hotels in Biriwa, einem kleinen Fischerort. Das Hotel wird seit 40 Jahren von einem deutschen, mittlerweile 80jährigen Ehepaar betrieben, Familie Kleinebudde. Von der Chefin erfuhren wir viel über Land und Leute und über dem momentanen Wahlkampf. Sie hoffte auf einen Regierungswechsel, denn die momentane Regierung war korrupt und tat während ihrer Regierungszeit nichts für das Volk, es wurden in achtjähriger Amtszeit keine neuen Straßen gebaut, geschweige denn ausgebessert; die Schulbesuch kostete Geld und zwar jeden Monat pro Kind 25€. Hier kann man sich natürlich ausrechnen, warum so viele Kinder nicht in die Schule gehen. Die meisten Eltern können es sich einfach nicht leisten und benutzen ihre Kinder dementsprechend lieber als Arbeitskraft, die Geld in die Familie bringt. Die Welt ist ein Dorf. Während wir von einem kurzen Spaziergang zurückkamen, lief uns ein Ehepaar aus Jena über den Weg, die bis zur ihrem Abflug einige Nächte im Hotel verbringen wollten. Wir kannten uns aus Dixcove. Aufmerksam auf uns wurden sie durch unser Auto; aber auch sie machten eine interessante Reise: mit dem Fahrrad durch Benin, Togo und Ghana. Einige Tage vorher als geplant, brachen sie dieses Unternehmen aber ab, da das Fahradfahren in diesen Ländern das Reisen äußerst schwierig macht. Wir verbrachten mit ihnen einen gemütlichen Abend auf der Terasse des Hotels, bei deutscher Küche, alten deutschen Klängen aus dem Cassettenrecorder (Roy Black und Co.) und mit Blick auf den Atlantik. Am Silvesternachmittag erreichten wir Abadi Beach. Adi und ein holländisch Ehepaar begrüßten uns äußerst freundlich. Die Holländer, unser Alter, waren ebenfalls mit einem geländegängigen Wohnmobil unterwegs. “Wollt Ihr am Silvestermenue teilnehmen?” fragte Adi. Keine Frage, wir wollten, natürlich! Um 20 Uhr sollte der gemütliche Abend mit ca. 20 Personen, unterschiedlichster Nationen starten, aber da Adi wieder einmal, wie schon so oft in letzter Zeit, Schwierigkeiten mit seinem Küchenpersonal hatte, mußten die Gäste selber zum Kochlöffel greifen und in den Töpfen rühren. Unser Silvestermenue: Karoffelpuffer aus Yams (ghanaische, sehr trockene Kartoffeln) Prawns in Whiskysauce Hühnchen mit Nasi Goreng Weißkohl-/ Möhrensalat Ananas Endlich gegen 21 Uhr war es dann soweit und das Buffet wurde eröffnet. Während des gesamten Abends klagte Jürgen schon mehrfach über Übelkeit, Kopf- und Augenschmerzen, nahm nicht mehr an den Gesprächen teil und war geistesabwesend. In dem Essen stocherte er einige Male mit seiner Gabel herum, ließ aber den größten Teil auf seinem Teller liegen. Gegen 22 Uhr verabschiedete er sich auf Grund seines Unwohlseins ins Bett. Als Petra gegen 23 Uhr nach ihm schaute, schlief er schon tief und fest, aber auch Petra ging jetzt schlafen und so schlummerten Beide in das “Neue Jahr” hinein. Nix mit “PROST NEUJAHR”! Am nächsten Morgen fieberte Jürgen etwas und schob alles auf eine bevorstehende Grippe. Eine Holländerin und auch Adi vermuteten aber eher eine bevorstehende Malaria und boten uns bei Verschlechterung des Zustandes ihre Hilfe an. Am nächsten Morgen war es dann soweit. Jürgen´s Zustand hatte sich erheblich verschlechtert, das Fieberthermometer stieg auf über 41 Grad; Adi wollte mit uns in die kleine, 5km entfernte Tagesklinik fahren. Während des Aufstehens brach Jürgen im Wohnmobil zusammen, konnte aber Dank Hilfe eines Holländers und Petra wieder auf die Beine gestellt werden und ab ging`s.... ins Krankenhaus. Tatsächlich.... Malaria tropica!!! Infusionen, Injektionen, Tabletten, Rücksprache mit unseren Freunden Olaf und Martina, unsere Hausärzte und Fachärzte für Innere Medizin und dem Tropeninstitut in Hamburg. Jürgen schwitzte, das Betttuch und das Kissen waren triefend nass. Er schlief, wurde zwischendurch immer mal wieder kurz wach, schlief dann aber wieder gleich ein. Nach zwei Tagen wurde Jürgen mit weiteren Malariatabletten und einem Antibiotikum, sowie der Auflage sich noch eine Woche zu schonen aus der kleinen, aber sehr sauberen Privatklinik entlassen. Der Arzt und auch das übrige Personal arbeiteten sehr sorgfältig, entnahmen mehrere Blutproben, erklärten uns immer wieder ihre Vorgehensweise. Wir fühlten uns in diesem Hause gut aufgehoben. Zwischenzeitlich schauten Adi und auch die Holländer im Krankenhaus vorbei, um sich nach Jürgens Gesundheitszustand zu erkundigen und mit dem Arzt zu sprechen. Sie waren uns alle eine große Hilfe und Stütze. Danke!! Für die nächsten Tage mietete Petra in der Lodge von Adi ein klimatisiertes Zimmer, da die feuchte, schwüle Luft, die natürlich auch in unserem Wohnmobil herrschte, mit Sicherheit der Genesung von Jürgen nicht dienlich war und dem Kreislauf nicht gut tat. Adi kochte eine leichte Suppe, die wir Jürgen einflößten. Am nächsten Tag gab es ein Rührei und ein bißchen Brot. Jürgen erholte sich relativ rasch, sein Kreislauf stabilisierte sich, das Fieber schwand, die Medikamente wurden zeitgenau eingenommen. Endlich..., endlich wurde er wieder der Alte. Wir haben uns alle große Sorgen gemacht, Freunde und Familie riefen an! Hier bei Adi, während dieser Krankheitsphase von Jürgen, reifte in uns der Entschluß Westafrika den Rücken zu kehren und nach Hause zu fahren, um unsere Reisepläne noch einmal in Ruhe zu überdenken. Zu viele negative Faktoren hatten sich in den letzten Wochen und Monaten in unsere “Festplatte” gebrannt, die diesen Wunsch entstehen ließen. Das Afrikafieber hat uns noch nicht gepackt, Schwierigkeiten bei der Beschaffung des Nigeriavisas der viele, viele Müll und Dreck, den wir nicht übesehen und verschweigen können; die aufdringlichen, teilweise extrem bettelnden Menschen die Malaria- Krankheit von Jürgen die wenig spektakuläre Landschaft; die nicht vorhandene Tierwelt Ebolafieber im Kongo; z. Zt. keine Einreisemöglichkeit und..., und..., und...! Oder sollten wir erstmal das Auto bei Adi stehen lassen, nach Hause fliegen und zu einem späteren Zeitpunkt die Reise fortsetzen? Nein, nein, wir lassen unser Auto nirgendwo allein in Afrika stehen und fahren gemeinsam mit ihm nach Hause. Also Sachen packen und ab geht`s Richtung Heimat. Auch Andrea und Achim (Ihr wißt schon, die mit dem grünen Mercedes Rundhauber), die wir auch bei Adi wiedertrafen, versuchten uns noch zum Bleiben zu überreden, aber unsere negativen Erlebnisse überwogen und wir wollten keine Zeit vertändeln in Ländern, die uns nicht viel Positives geben. Wir verabschiedeten uns von Adi und den Holländern mit einem großen DANKE SCHÖN!!! Wli Waterfall Lodge, ebenfalls ein von einem deutschen Ehepaar (Bernhard und Sabine) tiptop gepflegter Campingplatz am Wli Waterfall in der Nähe von Hohoe war schon der erste Teil unserer Rückreise. Wir wanderten durch den dichten Dschungel, der die unterschiedlichsten Geräusche der Tiere zum Ausdruck brachte, zum kleinen Wasserfall und genossen eine Weile die Stille und den schönen Anblick des Falls. Wir ließen uns von Sabine die Bettwäsche waschen (seit Monaten eine Waschmaschine!). Wir konnten es kaum fassen und nutzten diese Gelegenheit natürlich aus. In einem der kleinen Läden, der sich vor dem Eingang zum Wasserfall befindet, verkauft eine Frau die verschiedensten bunten Stoffe, aber auch hübsche Kleider, Blusen, Röcke oder Hosen aus einem der leichten, bunten Baumwollstoffe, die ihre Schwester näht. Auch für das Personal der Wli-Waterfall-Lodge nähte sie die Dienstkleidung und Bernhard und Sabine waren sehr zufrieden mit ihrer Arbeit. Petra sucht sich zwei wunderschöne Stoffe in den Farben smaragdgrün und orange mit einem leichten Stich ins Bräunliche aus. Sie will sich zwei Sommerkleider nähen lassen. Die Verkäuferin nimmt Maß, bespricht mit Petra die Details, der Preis wird verhandelt, die beiden Frauen werden sich handelseinig. Morgen früh um 9 Uhr sollen die Kleider fertig sein und werden von ihrer Schwester, der Näherin zum Laden gebracht, denn spätesten um 9.30 Uhr wollen wir weiterreisen. Alles klar, dann bis morgen. Punkt neun Uhr stehen wir vor dem kleinen Laden, die Türen sind noch verschlossen. Na ja, it´s african time. Also warten wir noch. Bis 9.30 Uhr. Keine Näherin kommt. Schade eigendlich. Wir fahren! Aber, das ist Afrika!!! Die weitere Fahrt führte uns durch eine wunderschöne Landschaft im Osten Ghanas, wo wir die Ursprünglichkeit des Landes noch spüren konnten. Hier in den Dörfern halten die Menschen noch an ihren alten Traditionen und Ritualen fest, keine Spur von irgendwelchem Luxus, kein Fernseher, kein Telefon. Der ganze Stolz einiger Eingeborenen ist ein kleines Taschenradio, das sie ständig mit sich herumschleppen. Wir dürfen aber auch nicht die Augen davor verschließen, daß hier noch die Pubertät der jungen Menschen gefeiert wird und die Mädchen sich immer noch, laut Tradition, den Beschneidungen unterziehen müssen. Die Fahrt wurde lediglich von einigen Kontrollposten, die an den Straßen standen, getrübt. 1.Kontrolle: Sturzbetrunkene Polizisten torkelten mit knallroten Augen und einem Maschinengewehr bewaffnet dem Fahrzeug entgegen und fragten uns nach Whisky! Die Situation hatte für uns schon etwas Bedrohliches, da wir nicht einschätzen konnten, wie diese Männer in ihrem Vollrausch reagieren würden. 2.Kontrolle: Wagen anhalten, Tür geöffnet. Frage: “ Und was hast Du der Polizei mitgebracht?” Natürlich war wieder einmal ein Geschenk gemeint! Das sind Vorbilder !! Eine weitere Zwischenübernachtung durften wir im Kommunity Center eines kleinen Ortes, namens Bambila machen. Die Mitarbeiter rissen gleich ihr Tor auf, wiesen uns den Platz vor dem Center zu und freuten sich riesig über eine Abwechslung. Eine Führung durch unser Wohnmobil ließ sie aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. Wir bekamen das Gefühl, sie erlebten dabei gerade einen Science Fiction Film. Sie staunten und kriegten ihre Münder gar nicht mehr zu. Noch nie zuvor hatten sie ein Wohnmobil von innen gesehen, konnten gar nicht fassen was sie sahen; Kühlschrank, Bad, fließendes Wasser, etc. Eine kurze Zeit später hieß uns der Bürgermeister diese Ortes “Herzlich Willkommen”! Er war extra mit seinem Assistenten gekommen, um uns zu begrüßen. Wir schenkten ihm einen unserer mitgebrachten Fußbälle für die Grundschule des Ortes. In Bolgatonga übernachteten wir wieder hinter “unserer” Tankstelle. Die Mädels der Tankstelle und auch der Besitzer erkannten uns wieder, winkten uns heran und witterten natürlich wieder ein Geschäft. Natürlich, passen doch 400 l Diesel in unsere Tanks. Am nächsten Morgen stoppten wir an einer Autowasch”anlage”. Unser Deutz, hatte er doch in den letzten Monaten arg gelitten, sollte endlich mal wieder eine Wäsche bekommen. Der Staub, der sich durch die hohe Luftfeuchtigkeit mittlerweile in eine betonähnliche Masse verwandelt hatte, saß wirklich überall. Handwäsche natürlich, denn die Jungs verfügten nur über eine Leiter, einen Eimer, einen Schrubber, einen Schwamm. Und los gehts! Die ganze Aktion dauerte fast zwei Stunden, wurden doch sogar die Reifen gründlichst poliert. Während dieser Zeit saßen Jürgen und Petra unter einem Baum im Schatten und beobachteten das Treiben an der “Waschanlage”. Die Jungs reinigten gründlich!! Sehr gründlich!! Die PKW`s wurden sogar von innen mit einem Hochdruckreiniger ausgespritzt!! Der Kofferraum... überall wurde der Hochdruckreiniger reingehalten. Völlig selbstverständlich, völlig schmerzfrei. Keiner der dazugehörigen Autofahrer schrie oder rührte sich. Alles in Ordnung, alles normal! Na dann, unser Auto wurde auf jeden Fall nicht von innen ausgespritzt, sondern bekam von außen eine ordentliche Wäsche und erstrahlte in seinem alten Glanz. Der junge Bursche, der die gesamte Zeit an unserem Auto wirbelte und anschließend selber von Kopf bis Fuß naß war, bekam ein angemessenes Trinkgeld und ein paar Süßigkeiten, freute sich riesig und wurde natürlich von seinen Abeitskollegen beneidet. Übrigens: Der neue Präsident von Ghana heißt Atta Mills. Während Jürgen im Krankenahus lag, wurde die Nachricht über Radiosender und Fernsehen bekannt gegeben. Ein Jubelschrei ging durch die Menschenmengen. Die Leute waren verkleidet, meist trugen sie Tücher um sich, die in den ghanaischen Farben gefärbt waren und sie tanzten auf den Straßen. Die Autos fuhren hupend durch die Orte. Die Masse der Bevölkerung hegt in der neuen Regierung ihre Hoffnung und wünscht sich eine dringende Veränderung und ein Ende der Korruption. Übrigens 2: In keinem anderen Land Westafrikas sahen, trafen und sprachen wir so viele Voluntäre, die meist in gemeinnützigen Einrichtungen tätig waren, wie in Ghana. Zum Einen lag es wohl auch daran, daß viele Einrichtungen zwischen Weihnachten und Neujahr geschlossen hatten und die Praktikanten dementsprechend Urlaub nehmen mußten, zum Anderen aber auch daran, daß hier viele Einrichtungen in unterschiedlichen Ländern Stellen für Voluntäre aussschrieb und es dementsprechend eine regelrechte Voluntärschwemme gibt. Wir sahen blutjunge, weinende Praktikantinnen, die direkt nach der Schule hier ins Ausland gingen, hier in diesem Umfeld aber überhaupt nicht zurechtkamen; wir sprachen Studenten, die diesen Aufenthalt für ihr Studium nutzen wollten; wir sprachen junge Mädchen, die voller Idealismus und Engagement an ihre Aufgaben gingen; wir hörten Einzelfälle, in denen über eine Förderung von Kindern und Jugendlichen gesprochen wurde; aber etwas hörten wir immer : KORRUPTION. Hierüber könnten wir eine Endlosgeschichte schreiben und nährer Details preisgeben aber wir wollen Euch noch Raum zum Diskutieren, Recherchieren und Nachdenken geben!! Viel Spaß!!                      Goldwäscher                                                       Echse                           Lilie