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KASACHSTAN   Im Juli, in der heißesten Jahreszeit, reisten wir nach 7.5 Stunden Wartezeit vorm Schlagbaum, ohne jegliche Kontrollen nach Kasachstan ein, nicht ohne vorher 20 Dollar abzudrücken, die für das Ausstellen eines Zollpapieres für unser Fahrzeug verlangt wurden. Die 20 Dollar wanderten aber unverblümt in die Hosentasche des Zöllners. Auf die Frage nach einer Quittung verwies man Jürgen auf eben dieses Zollpapier. Wieder einmal schnell „verdientes“ Geld für den Zöllner!! Nach ca. 2 Stunden Fahrt fanden wir, wir trauten unseren Augen nicht, ein Schwimmbad a la Disneyland. „Boah, was ist das denn?“ Schon von der Straße aus konnten wir eine Windmühle und eine Mauer von einem Fort erkennen, das gesamte Gelände war im Westernstil gehalten. Hier konnten wir schwimmen, essen und ein kühles, gezapftes Bierchen trinken und auf dem Parkplatz übernachten. Eine willkommene, erfrischende Abwechslung und ein sehr schöner Platz. Anmerken müssen wir hier noch, daß zum Essen keine Messer gereicht wurden. Warum nicht? Na, um Messerstechereien (!) zu verhindern. Es wurde uns wieder ins Gedächtnis gerufen, das Kasachstan doch in der Kriminalstatistik an oberster Stelle steht. Wir waren gespannt, was uns in diesem Land noch so erwartete. Der Fahrzeugcheck am nächsten Morgen ergab, dass aus der Antriebswelle Öl tropfte. Da die Antriebswelle aber kein Spiel hatte, wird fehlendes Öl nachgefüllt. Wir setzten unsere Reise in den Norden, Richtung Shymkent, fort. Unterwegs füllten wir die Dieseltanks zu einem Preis von 69 Tenge/ l (1 € - 180 Tenge). Die Tankstelle wurde bewacht von einem Mann der Security mit Maschinenpistole. Erst dachten wir dieses wäre eine Ausnahme, aber weit gefehlt, alle Tankstellen waren schwer bewacht. Die Industriestadt Shymkent ist die südlichste Großstadt Kasachstans und hat ein mildes Klima und im Winter herrscht selten Frost. Hier in diesem Ort wurden wir an einer großen, belebten Kreuzung von zwei Polizisten gezielt herausgewunken, die nach unseren Papieren, insbesondere nach unseren Versicherungspapieren für das Fahrzeug fragten. Da wir diese aber erst in der Stadt abschließen wollten und konnten, reagierten die Polizisten sehr barsch und einschüchternd und ruck - zuck waren wir in organisierte Kriminalität, eingefädelt von zwei Polizisten, verwickelt. Aus persönlichen Gründen veröffentlichen wir zur Zeit keine näheren Details im Internet, werden aber das Außenministerium, die Deutsche und die Kasachische Botschaft und die OSCE in Kasachstan von diesem Vorfall unterrichten. Achtung!! Keine Versicherung bei der Polizei oder an der Straße abschließen!! Diese Papiere sind komplett gefälscht!! Nach Stunden (!) großer Aufregung verließen wir diese Stadt und übernachteten vorsichtshalber in einem kleinen Dorf und am nächsten Tag in Turkistan auf dem Gelände eines Hotels. Auf dem Weg nach Turkistan machten wir noch einen kleinen Abstecher zur Grabmoschee von Aristan Bab. Turkistan, eine sehr alte Ansiedlung und früher bekannt unter dem Namen Jassy entstand im 7. Jahrhundert. Der eigentliche Ruhm von Turkistan ist die Grabmoschee für Hodzha Achmed Jassadi, eine der bekanntesten islamischen Wallfahrtsstätten. Dieser Gebäudekomplex ist einer der schönsten aus der Zeit der Timuriden. In der Ebene des Syrdarja, der 3000 km lang ist und davon 2/3 durch Kasachstan fließt, setzten wir die Fahrt fort. Der Syrdarja mündete einst in den Aralsee. Für sinnlose Bewässerung wurde ihm so viel Wasser entzogen, daß er mittlerweile viele Kilometer vor dem Aralsee versickert. Übernachtungsmöglichkeiten fanden wir zwischendurch immer wieder in kleinen, armseligen Dörfern, durch die die Viehherden getrieben wurden und es dementsprechend viele, viele Mücken und Fliegen gab. Gemeinschaftstoiletten und Wasserzapfstellen befanden sich an den verstaubten Wegen des Dorfes. Das tägliche Leben, für uns aus dem Schlaraffenland Deutschland kommend, ist für die Kasachen ein täglicher Kampf gegen Staub, Moskitos und im Sommer der großen Hitze. Um sich vor diese Hitze, ca. 40 – 45 Grad, zu schützen, waren die Fenster der kleinen Häuser mit Zeitungspapier zugeklebt. Die Bevölkerung sammelte Holz und trocknete Kuhdung, um Vorrat für das Beheizen der Feuerstelle zu haben. Für uns, aber auch für Blacky war diese enorme, trockene Hitze und der viele, viele Staub schon eine große Herausforderung und es war nicht immer einfach ein kühles, schattiges Plätzchen zu finden. Die gefürchtete M32, die sogenannte „Todesstrecke“, eine „Straße“ in einem katastrophalen Zustand, wird nun endlich nach Besuch des Präsidenten mit Hochdruck durch Einsatz von Hunderten von Baufahrzeugen und Straßenarbeitern fertiggestellt und kann hoffentlich in 2 – 3 Jahren bequemer bereist werden. Mit einer Geschwindigkeit von 10- 20 km/musste der Deutz sich über die Straße quälen, aber auch für uns war es eine Tortour, da es außer einer öden, langweiligen Steppenlandschaft nichts zu sehen gab. Teilweise kamen wir auch schon in den Genuß der fertiggestellten Straße und konnten für eine kurze Zeit aufatmen. Vorbei an unzähligen Kamel- und Pferdeherden, die heute nicht mehr als Lastentiere, sondern eher als Fleischversorger dienen, fuhren wir an Baikonur eine russische Enklave in Kasachstan vorbei, konnten leider aber nicht den Kosmodrom besuchen, da wir uns dafür schon vor Monaten Tickets bei ausgewählten Agenturen hätten besorgen müssen. Am frühen Abend erreichten wir nach einer langen, langweiligen Fahrt Aral. Und wen trafen wir dort? Die französische Familie, zu denen wir auf unserer Reise immer wieder Kontakte hatten und ein oder zwei Tage gemeinsam verbrachten und reisten. Am ehemaligen Hafen von Aral fanden wir lediglich noch ein paar verrostete Schiffe und Kähne vor. Mit Zurückgang des Sees, der ehemals ein beliebtes Ausflugsziel war, wurde den Bewohnern von Aral die Lebensgrundlage entzogen und der Tourismus hat sich mehr oder weniger eingestellt. Nur noch vereinzelt finden sich hier Touristen ein, um die Naturkatastrophe zu besichtigen. Der Ort zeigte sich uns armselig und verwahrlost. Der Aralsee war einmal der viertgrößte Binnensee der Erde, 120 mal größer als unser Bodensee. Durch das Verschwinden der Wasseroberfläche hat sich natürlich auch in dieser Region das Klima verändert. Im Sommer wird es hier bis zu 50 Grad heiß und Niederschläge finden kaum noch statt. Durch undichte Kanäle und sinnlose Bewässerung erreichen die Flüsse Amurdaja und Südsyrdarja nicht mehr den Aralsee. Sie versickern kilometerweit vor ihrem Ziel. Westliche Wissenschaftler vertreten die These, dass dies nun der Grund sein, warum der Aralsee verdunstet. Usbekische und russische Wissenschaftler widersprechen dem und glauben, dass das Sinken des Meeresspiegels geologische Ursachen hat. Die Erdplatten seien ständig in Bewegung und so vermutet man, daß der See jetzt höher liegt als das Kaspische Meer. Durch die Kapilarwirkung fließt das Wasser jetzt in das Kaspische Meer. Tatsächlich ist hier der Meeresspiegel gestiegen. Vielleicht sind beide Ursachen Schuld an der Katastrophe. Nach einer endlos wirkenden Fahrt über die schlechte M32, aber tatsächlich wenig geschafften Kilometern, übernachteten wir in der Steppe., um am nächsten Tag in Qurabutaq einzukaufen und gemeinsam mit den Franzosen zwei Tage an einem fischreichen, schilfbewachsenen Fluß zu verbringen. Endlich, endlich konnten wir mal wieder in aller Ruhe den Tag genießen und den Anglern beim Fischen zusehen. Wir bekamen Fische geschenkt, Jürgen mußte diese ausnehmen und Petra durfte sie braten. Echt lecker!! In Aktöbe fanden wir ein Super-Super-Einkaufszentrum, mit allem was das Herz begehrt und einem Riesenangebot. Hier gab es auch ein funktionierendes, klimatisiertes Internetcafe mit sechzig (60!) Plätzen, Restaurants, diversen, westlich orientierten Shops, etc. Frisch eingedeckt für die nächsten Tage ließen wir uns an einen wunderschönen Badesee in einer herrlichen Lage nieder. Leider, leider konnten wir den Besuch des Sees nicht so richtig genießen, da überall, wirklich überall Müll herumlag. Müll, so weit das Auge reichte und keiner der Besucher des Sees bemühte sich seinen Müll wieder mitzunehmen, sondern ließ ihn an Ort und Stelle liegen. Plastik, Flaschen, Essensreste, Slipeinlagen und so weiter. Wirklich einladend!! Aber, dieses Phänomen begleitete uns auf der gesamten Fahrt durch Kasachstan. Waren wir doch aus den anderen STAN – Ländern Ordnung und Sauberkeit gewohnt, so zeigte sich Kasachstan diesbezüglich im krassen Gegensatz. Gegen Abend gesellte sich eine Dreiergruppe betrunkener Tanzmariechen mit ihrem „Chauffeur“ zu uns an den See. Eine dieser Dame gab uns unmißverständlich zu verstehen, daß sie Hunger hätte, worauf Petra ihr eine Packung Kekse aus dem Wohnmobil holte. Auf Kekse hatte die gute Frau aber keinen Hunger, sondern zeigte auch wieder unmißverständlich auf unseren Kochtopf. Tut uns Leid, gute Frau, aber die eingelegten Auberginen waren für unser Abendessen gedacht. Eine Viertelstunde später kam die gleiche Dame, setzte sich direkt in Jürgens Stuhl, setzte seine Sonnenbrille auf, die auf dem Tisch lag, benutzte unser Fernglas und bettelte um eine Zigarette. Tut uns Leid, gute Frau, aber wir sind Nichtraucher!! Eine zweite Dame der Dreiergruppe zeigte uns ihre Verletzung an der Ferse und fragte nach Jod. Petra verarztete sie und so konnten die Drei ihre Tänze zu lauter Autoradiomusik fortsetzen und tief in die Wodkaflasche gucken. Wir verfolgten in Kasachstan einen der nördlichsten Zweige der Großen Seidenstraße. An ihrer Trasse lagen bedeutende Handelszentren und Karawansereien, auch heute findet man noch Mauerreste in der Kasachischen Steppe. 2300 km durchquerten wir das Territorium des heutigen Kasachstans bis zu unserem Endziel in diesem Land: Oral. Hier bekam Petra endlich innerhalb von zwei Stunden ihr Visum für Rußland, wo wir am 20. Juli einreisen werden. Die letzten Tage aber wollten wir noch auf einem gemütlichen Stellplatz verbringen, um noch einmal Wäsche zu waschen, Vorrat zu bunkern, den Deutz fit zu machen. In einem vermüllten, schattenlosen Jurtcamp verlangte man den unverschämten Preis von 1000 Tenge (5.50€) pro Nacht! Vielen Dank! Nein!! Daraufhin lud uns die Besitzerin eines kleinen Cafes und Restaurants ein, doch auf ihrem Grundstück zu stehen, um den Strand am Fluß, aber auch ihre „Waschmaschine“ zu nutzen. Wir einigten uns auf einen Preis von 400 Tenge (2.20€) pro Nacht! Okay, abgemacht! Dieser Preis schien uns akzeptabel, zumal wir auch die „Waschmaschine“ gegen ein Entgelt benutzen konnten. Petra bezahlte gleich für zwei Nächte, wir aßen dort im Restaurant, bekamen eine Melone geschenkt und alles war gut. Bis zum nächsten Morgen als uns die Besitzerin ziemlich unfreundlich mitteilte, wir sollten noch Geld bezahlen! Wofür? Nach langem Hin und Her und unter zur Hilfenahme unserer Wörterbücher, stellte sich heraus, daß wir 400 Tenge für die Nacht, aber auch 400 Tenge für den Tag bezahlen sollten. Petra ließ sich nicht darauf ein, sondern wies darauf hin, daß wir eine Abmachung von 400 Tenge/Nacht trafen und beide Parteien müßten sich daran halten und ging. Am nächsten Morgen wies die Besitzerin wieder, diesmal nur eine Spur noch unfreundlicher, darauf hin, daß sie noch Geld von uns bekäme. Wieder holte Petra ihre Wörterbücher und unseren Kalender, um darauf hinzuweisen, daß wir die Abmachung von 400 Tenge pro Nacht vereinbart hätten. Aber nein, diesmal sollten wir noch Geld für unsere Maschina, also für unseren Deutz bezahlen. Aha, daher weht der Wind!! Geldgier!! Nein gute Frau, nicht mit uns. Diese aber wurde richtig zornig und ließ uns wissen, daß sie die Polizei holen wollte. Nein, nein, nicht mit uns!! Wir packten unsere Sachen und verließen dieses unfreundliche, abzockende Klima ohne auch nur einen Tenge mehr zu bezahlen. Nach einer kurzen Nacht an einer einsamen Stelle am Fluß, wurden wir gegen 5.50 Uhr von einem lauten Klopfen an unserem Deutz geweckt. Vor der Tür stand eine ca. 30 jährige, ziemlich orienteirungslos wirkende Frau, die ihre silbenen Pumps in der Hand trug und nach Wasser verlangte. Jürgen reichte ihr ein Glas mit Wasser und sie stapfte weiter Richtung Wald. Eine Viertelstunde später, ein Klopfen an unserem Deutz. Wieder diese Frau. Sie hatte sich aus dem herumliegenden Müll eine Wasserflasche geholt und verlangte wieder nach Wasser. Jürgen füllte ihr die Flasche und sie stapfte in die entgegengesetzte Richtung ab. Wahrscheinlich war diese Dame ein Überbleibsel des vergangenen Partyabends am Flußufer?? In der Stadt Oral wurden wir grundsätzlich bei den Polizeikontrollen rausgewunken. Stadt einwärts, Polizeikontrolle, rechts ran, Stadt auswärts Polizeikontrolle rechts ran. Polizeikontrollen durchgeführt von vier Polizisten, drei davon bewaffnet mit Maschinenpistolen und bekleidet mit schußsicheren Westen. Um noch einmal Geld zu tauschen und ein paar frische Lebensmittel einzukaufen., fuhren wir also noch einmal in die Stadt. Kurz vor dem Basar stoppte uns wieder ein Polizist, in dem er wild rudernd mit dem Stock auf den Fahrbahnrand wies, wo wir anhalten mußten. Wir waren ca.5m über ein Verkehrsschild gefahren, welches darauf hinwies, daß LKW`s dort verboten waren. Der Polizist ließ sich auf keinerlei Diskussionen ein, behielt den Führerschein von Jürgen ein und wies ihn darauf hin, dass er ein Protokoll/ Strafmandat schreiben müsse. Für uns bedeutete dies, wir sollten zur Bank fahren, um dort das Strafmandat von 7000 Tenge (ca. 40€) zu bezahlen, anschließend zurück zum Polizisten, um den Führerschein wieder abzuholen. Um diese Prozedur zu umgehen, könnten wir aber auch das Geld direkt bei ihm bezahlen. Aha!! Daher weht der Wind!! Ein korrupter Polizist!! Wir bezahlten das Geld an Ort und Stelle, welches direkt in die Hosentasche des Polizisten wanderte, ärgerten uns aber im Nachhinein darüber, dass wir uns nicht seinen Namen oder seine Dienstnummer aufgeschrieben haben, wussten wir doch, dass es hier auch unechte Polizisten gibt. Wir verließen mit 40€ weniger in unserer Reisekasse und keinem frischen Obst und Gemüse die Stadt, um am Ortsrand noch einmal zum Einkauf anzuhalten. Vor dem Geschäft fragte Jürgen drei junge Männer, die mit ihrem Auto vor dem Laden parkten, nach dem direkten Weg zur Grenze nach Rußland. Die Männer malten ihm die Strecke auf einem Din-A4 Zettel auf, Jürgen bedankte sich und ging. In Höhe des Deutz kamen die Drei mit hochgezogenen Schultern und finsteren Mienen noch einmal auf Jürgen zu und forderten demonstrativ und ziemlich forsch: „Money, money!“ und verdeutlichten dieses mit der berühmten Fingerbewegung. „Geld? Wofür das denn?“ Die Männer zeigten auf ihre Zeichnung! Jürgen gab ihnen die Aufzeichnung zurück, die Männer waren perplex und gingen zu ihrem Auto. Bloß weg hier!! Bloß weg hier! Also auf zur Grenze. Die Grenzabfertigung auf der kasachischen Seite verlief zügig und freundlich. Nur einer der Zöllner forderte doch tatsächlich bei der Kontrolle des Fahrzeugs unseren Weltempfänger! Jürgen ermahnte ihn aber mit erhobenen Zeigefinger, dass diese Forderung doch wirklich nicht korrekt wäre und erzählte seine Geschichte. (Na, Ihr wißt schon!) Siehe da, der Zöllner wechselte schnell das Thema, die Sache war ihm unangenehm! Ausreise!! Gott sei Dank! In keinem anderen Land dieser Reise zeigten sich uns die Menschen eher zurückhaltend, aber auch desinteressiert, unfreundlich, ließen uns bei Fragen oder Kaufinteresse einfach stehen, gingen weiter oder zeigten sich gelangweilt. Sie waren größtenteils sehr fordernd und leider, leider auch korrupt! Zu den Kasachen bekamen wir eher wenig Kontakt, waren wir doch aus den anderen Stan – Ländern mehr Interesse und Entgegenkommen, sowie Hilfsbereitschaft gewohnt.