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RUSSLAND UND UKRAINE   Die Rückreise über Russland und der Ukraine Wir übernachteten im Niemandsland zwischen Kasachstan und Russland, weil wir so schnell wie möglich Kasachstan verlassen wollten, aber erst am nächsten Tag nach Russland einreisen konnten. Wir fühlten uns sicher, passten doch beide Länder in der Nacht auf uns auf. Oder nicht?? Die Einreise nach Russland verlief sehr, sehr langwierig, aber sehr korrekt. Alles, sogar die Hundepapiere, wurde genau überprüft, mühsam in die Computer eingegeben, der Deutz wurde in einer modernen Anlage geröntgt und nach 2.5 Stunden waren wir, nach vielen Zigarettenpausen der Zöllner, endlich fertig. Nach vielen Überlegungen hatten wir uns dazu entschieden, nicht wie geplant an der Wolga entlang zu fahren, um dann von St. Petersburg mit der Fähre Richtung Heimat zu dümpeln, sondern entschieden uns für den kurzen Weg durch Russland Richtung Ukraine. Somit verließen wir natürlich eine der berühmtesten Straßen der Welt, die Seidenstraße. Die Fortsetzung folgt aber im nächsten Jahr. Russland zeigte sich uns im Sonnenschein und riesige, gelbe Sonnenblumenfelder, die scheinbar bis zum Horizont reichten, waren für unsere Augen, nach der Steppe in Kasachstan, eine willkommene Abwechslung und wir konnten uns kaum satt sehen. Auch das Korn stand stramm auf den Feldern, wartete teilweise noch darauf von überdimensionalen Mähdreschern abgemäht zu werden. Vorbei an unzähligen Störchen, die in ihren Nestern auf den Laternenmasten thronten, an bunt bemalten und verzierten Kirchen und Häusern, fanden wir kurz vor Engels bei Saratov einen mückenreichen Stellplatz an den Ausläufern der Wolga. Von einigen jungen Leuten wurde natürlich unser Auto bestaunt und lange Hälse mit Blick ins Auto verrieten ihre Neugier. Kurze Zeit später bekam Blacky, zum Leidwesen von Jürgen, doch glatt ein lecker riechendes, frisch gegrilltes, knuspriges Hähnchen geschenkt. Jürgen lief das Wasser im Mund zusammen, aber schwuppdiwupp hatte Blacky es schon vertilgt. Als Trost bekam Jürgen eine Melone und ein Fladenbrot geschenkt. Vielen Dank!! ßpaßieba!! Auf dem Kurztrip durch Russland machten wir keine großen Besichtigungen, sondern fuhren einfach der E38 entlang, standen in kleinen Dörfern oder an ruhig gelegenen Flußplätzen um zu baden und bekamen jeden Abend, wirklich jeden Abend ein Geschenk. Mal war es eine Honigmelone von einem LKW Fahrer, der sich im Fluss wusch, mal waren es frisch gepflückte Gurken aus dem eigenen Garten, um uns „Willkommen“ zu heißen. Die kleinen Dörfer mit ihren geduckten, eingezäunten Häusern und Gärten, die Frauen in Kittelschürzen und Kopftuch, wie wir es aus dem Fernsehen kennen, zeigten sich uns auf den ersten Blick wild-romantisch. Bei genauerem Hinsehen aber stellten wir fest, daß hinter dieser wilden Romantik, die wir auch in unseren Wohnzimmern gut empfinden können, harte Arbeit und ein hartes Leben steckt. Bei der Ausreise erfolgte wieder eine sehr gründliche Untersuchung des Fahrzeuges. Jeder Schrank wurde geöffnet, jede Dose und Schachtel kontrolliert. Im Fahrzeug sowie im Kofferraum. Als Jürgen dem Zöllner erzählte, daß er kein Bandito sei, sondern nur ein Tourist, erwiderte dieser, daß er nur seine Arbeit täte, stellte aber sofort die Kontrolle ein. Petra freundete sich zeitgleich mit der Veterinärin an, die bemängelte, daß sie Blacky nicht auf dem Deklarationspapier angegeben hatte. Oh, sorry. Also holte Petra dieses Versäumnis nach und setzte den Wert des Hundes mit 100 Dollar fest. Die Veterinärin setzte einen Stempel unter unser Papier von unserem Veterinäramt (warum auch immer??) und nach einem Smalltalk war die Sache erledigt. Dank einer supernetten Hilfe eines Zöllners konnten wir nach langem Hin und Her und viel Lauferei von einem Kabuff ins Nächste nach 2.5 Stunden zum Schlagbaum fahren. Während Petra zum Abschluss noch die Ausreisestempel abholte, setzte sich ein junger Zöllner zu Jürgen ins Fahrerhaus und verwickelte ihn in ein Gespräch, machte ihm aber deutlich, daß er 20€ verlangte, was er noch durch Aufschreiben auf eine Pappschachtel verdeutlichte. „20€ oder ich kontrolliere noch einmal das gesamte Auto.“ Jürgen erzählte seine Geschichte (Ihr wißt schon!!), stieg mit dem Pappkarton aus dem Fahrzeug und war im Begriff zum Chef des Zolles zu gehen. Nun stieg auch der junge Zöllner aus, fragte Petra, ob die Geschichte von Jürgen stimmte und als diese bestätigte, wollte er uns so schnell wie möglich loswerden. Ab in die Ukraine!! An der Grenze zur Ukraine war viel Betrieb, es war Ferienzeit in der Ukraine und auch in Russland, so daß viel Russen in die Ukraine fuhren, um auf der Krim Urlaub zu machen. Also... schön anstellen. Da man uns immer wieder in die LKW Reihe stellen wollte, gab es endlose, lautstarke Diskussionen, Jürgen mußte immer wieder erklären, daß wir Touristen sind, kein Transportfahrzeug usw. Endlich, endlich machte sich einer der Zöllner die Mühe und warf einen Blick in unseren Deutz und die Maschinerie der Grenzabfertigung lief ihren Gang. Während dessen erzählte eine junge, ein gutes Englisch sprechende Russin, daß die Russen bei Einreise in die Ukraine grundsätzlich 600 Rubel (ca. 20€) in ihre Pässe legen, um nicht stundenlang an der Grenze stehen zu müssen und nicht abgefertigt zu werden. Bei uns wechselten lediglich 1€ den Besitzer(wofür auch immer?) und die Abfertigung war beendet. Zwei Grenzabfertigungen an einem Tag, da brauchten wir starke Nerven und viel, viel Geduld. Aber, nun waren wir in der Ukraine und es wurde Zeit einen Stellplatz zu finden. Dieser war gar nicht weit entfernt an einem wunderschönen See mit Badestrand. Viele Leute waren dort zum Schwimmen, Sonnen und Picnicen und auch wir konnten mit unserem Deutz direkt am Strand stehen. Eine Fehlentscheidung.. wie sich später herausstellte. Es war Wochenende und Partytime!!! Ein junger Mann, namens Deniz, der uns abends total aufgeregt ansprach und sich mit uns unterhalten wollte, brachte uns am nächsten Morgen frisch geplückte, ökologische Äpfel aus dem Garten seiner Mutter. Zur Erinnerung mussten wir uns abwechselnd mit ihm für ein Foto aufstellen. Als Jürgen ihn nach einer LKW Werkstatt fragte raste er mit seinem Fahrrad los, um seinen Vater zu fragen und um uns dann den Weg in die Werkstatt zu zeigen. Sichtlich stolz bemühte er sich auch in der Werkstatt unser Anliegen zu übersetzen, fuhr mit Petra mit einem Taxi in die Stadt, um eine ukrainische Landkarte zu besorgen, mußte uns aber leider nach kurzer Zeit verlassen, um seiner Mutter im Garten zu helfen. Zur weiteren Übersetzung wurde Natascha beordert, die fünf Jahre mit ihrem Mann in Hannover lebte, der dort als Wissenschaftler arbeitete. Die Jungs in der Werkstatt gaben sich alle Mühe uns zu helfen... natürlich kostenlos. Wir hatten große Mühe unsere Trinkgelder loszuwerden!! Danke!! Mit einer geschenkten Landkarte und einem Sticker von der Kirche des Ortes setzten wir unsere Fahrt fort, waren wir doch erfreut, wieder einmal freundliche, nette, hilfsbereite und aufgeschlossenen Menschen kennengelernt zu haben. Die Empfehlung von Natascha, der Dolmetscherin, unbedingt in dem kleinen Ort Batyrn zu stoppen, um die Kathedrale zu besichtigen, setzten wir in die Tat um und verlebten dort zwei interessante Tage an einem Fluß, die unsere Stellplatznachbarn stets mit russisch-melancholischem Gesang beendeten und wir, still und in Gedanken versunken, deren Liedern lauschten. Den Abschluss unserer 9-tägigen Reise durch die Ukraine bildete die Stadt Lviv, wo wir auch die Franzosen wieder trafen, mit denen wir auf unserer sechsmonatigen Reise immer wieder unterwegs einige Tage verbrachten. Großes Hallo und Stadtbesichtigung mit Besuch der kleinen Restaurants und Cafes. Lviv zeigte sich uns sehr westlich, offen und modern. Die vielen alten Sehenswürdigkeiten werden zum großen Teil restauriert, die Plätze erneuert, teilweise mit altem Kopfsteinpflaster belegt. Da wir mit unserem LKW nicht in die Stadt kamen, übernachteten wir auf dem Parkplatz des Hotels „Jockey“, eine wirklich empfehlenswerte Adresse. Das Hotel liegt direkt am Stadtring, an der E40, im Hintergrund befindet sich eine Trabrennbahn, gegenüber wurde erst vor Kurzem ein riesiges Einkaufszentrum und ein Praktiker-Markt erstellt. Hier stand unser Deutz sicher, wenn wir die Stadt besuchten, außerdem bot sich uns die Möglichkeit, am Sonntag ein Trabrennen zu sehen. (N49°46.704/E024°00.939) Nach kurzen, aber sehr interessanten Stippvisiten in Russland und der Ukraine werden wir über Polen nach Deutschland bummeln, um Ende August, nach knapp sechsmonatiger Reisezeit, am Globetrottertreffen AMR in Amelinghausen, in der Lüneburger Heide, teilzunehmen. Im nächsten Jahr werden wir die Spuren der Seidenstraße wieder aufnehmen und ihnen an der Wolga entlang folgen.